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Salvator. 9
gemeldet wurde, verhinderte, daß Laura noch empfindlicher verleßt wurde. Sie begleitete den Arzt zum Bette ihrer Mut⸗ ter, wo ſie zu ihrer innigen Beruhigung vernahm, daß auch nicht der Schatten einer Gefahr ſei, ſondern das unfteiwillige Bad ganz gut bekommen werde. Der Arzt, da es ſchon ſpät war, blieb über Nacht, Laura überließ ihn dem Vater und zog ſich ſo früh als möglich in ihr kleines Zimmer zurück.
Hier kam nun, wie immer, wenn ſie allein war, der Geiſt kritiſcher Gedankenſchau über ſie. Alles, was ſie dann ſeit irgend einem Abſchnitt der Zeit oder ihrer Verhältniſſe erlebt oder erfahren hatte, wurde noch einmal in ſchärfſter Beleuch⸗ tung durchdacht, ſie duldete kein Halbdunkel, keine nebelhaften Bilder, keine weichverſchwimmenden Umriſſe, Alles mußte klar und ſcharf ſein, wie eine ſüdliche Küſtenlandſchaft. Der Beſuch bei der Familie, welche ſie ſchon aus der Reſidenz her kannte und durch deren Empfehlung der Ankauf des neuen Beſitzthums von ihrem Vater geſchehen war, die Perſönlichkeiten, welche ſich heut charakteriſtiſcher, als je, dort entgegengetreten waren, die Geſpräche, welche ſie gepflogen hatte— Alles lebte in Laura's Erinnerung wieder auf. Dann die Fahrt über den See. Der Schiffer— ein junger Menſch von freundlichem Weſen— war ihr damals keiner beſondern Beachtung werth erſchienen, jetzt erſt hatte er Bedeutung für ſie gewonnen, und ſie rief ſich ſein Bild, das ihr, ſeltſam genug, immer wieder in unſichere Form zerrann, mit Anſtrengung zurück. Ganz genau erinnerte ſie ſich, daß, wenn ihr gleichgültiges Auge ihn ge⸗ ſtreift hatte, ſie dem ſeinigen begegnet war; damals hatte ſie es wohl kaum bemerkt, jetzt füllte ſie grade dieſer Gedanke mit einem unbehaglichen Gefühle: ſie wußte es nicht anders zu


