232
Dich ſelbſt, gegen ihn und auch gegen Gott, denn es iſt der innere Beruf nicht, der Dich in das Kloſter füh⸗ ren würde!“ Vergebens ſuchte Virginia ihn zu unter⸗ brechen; er ſprach in feurigen Worten mit ſiegreicher Beredtſamkeit weiter und vernichtete in wenigen Minuten das Werk, das die Aebtiſſin und der Beichtvater, beide aus wirklicher Ueberzeugung, auf ſcheinbar unerſchütterli⸗ chem Grunde aufgebaut hatten. Welch einen Kampf beſchwor er herauf! Als er die Hinderniſſe, die ſie für unüberwindlich gehalten, mit Gründen niederwarf, als er ihren Entſchluß ſo ſcharf verurtheilte und ſie beſchwor, ſich nicht einem Phantome zu opfern, da war es wie eine Ritterthat für ſie, daß Alexander, für deſſen Glück Camillo ſprach, ihn bat, ſie nicht länger zu quälen, ſon⸗ dern ihr Zeit zu gönnen, ſich mit ſich ſelbſt zu berathen, und in ihre Hand Alles zu legen, was ſie allein zu ent— ſcheiden habe. Er ſtand auf, um ſich zu verabſchieden. „Willſt Du ihn hoffnungslos entlaſſen?“ rief Camillo. Und Virginia hätte nicht ſie ſelbſt, nicht der Gewalt ihres Herzens und des Moments unterworfen ſein müſſen, wenn ſie Alexander's innig auf ſie gerichteten Augen hätte widerſtehen können!„Wir ſehen uns wieder!“ flü⸗ ſterte ſie und er nahm jetzt, mit freudigſter Hoffnung er⸗ füllt, einen ſchnellen Abſchied. Camillo begleitete ihn hinaus, wo ſein Wagen hielt.
—


