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regten Nerven zu beſchwichtigen, eine Verſagung würde ſie noch mehr gereizt haben. Er hatte auch nichts dawi⸗ der, daß die Kleine allein bei der Kranken blieb; nur daß dieſe das Bett verlaſſen und ſich ankleiden wollte, war ihm nicht lieb. Indeſſen gab er den ſchwachen Ver⸗ ſuch, ſie davon abzubringen, auf, als er ſah, daß ſie heftig wurde. Dem Mädchen hatte er verboten, von dem Be⸗ ſuche zu reden, und Maddalena ſchwieg auch darüber, bis die Kleine, woran der Arzt unbegreiflicherweiſe gar nicht gedacht hatte, mit ihren feurigen Erzählungen und ihrem Ringe Alles verrieth. Da wurden Virginia's todten⸗ bleiche Wangen plötzlich von heißer Glut überfloſſen; ſie ſchien einen Moment ſprachlos, nur ihre Augen richteten ſich fragend auf Maddalena, welche dann nicht anders konnte, als der Wahrheit getreu Alles berichten. Vir⸗ ginias Auge verdunkelte ſich, als Maddalena ihr den Fremden und ſein freundliches Benehmen gegen das Kind ſchilderte, ihre Hände zitterten, ihr Buſen wogte ſichtlich in heftigſter Bewegung. Doch entließ ſie das Mädchen ſogleich und blieb nun mit Giuditta allein. Sie ſetzte ſich auf ihr Bett und nahm die Kleine auf den Schooß, liebkoſte und küßte ſie mit Inbrunſt und hörte ſchweigend zu, wie dieſe mit kindlichem Ge⸗ plauder immer wieder von dem ſchönen Manne erzählte, der ihr den Ring geſchenkt, welchen ſie nur einen Au⸗


