Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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indem er ihr für den Fall, daß ihr Gemahl bei der Rückkehr in ſeine Heimat, wovon man jetzt ſpreche, ſich von ihr trennen ſollte, ſeine Hand bot, um ſie dadurch vor der Welt glänzend wieder zu erheben! Die zweite Nachricht, welche ihr Orkum ſchonungslos mitgetheilt, nicht ohne die entſetzliche Andeutung, daß ihre Vorliebe für Alexander leicht jede Begnadigung des Verurtheilten unmöglich gemacht habe, hatte ſie dann zur Verzweiflung gebracht, und als, Schlag auf Schlag, ein dritter Brief kam, auf deſſen Umſchlag ſie erbebend die lange nicht erblickte Handſchrift ihres Vaters erkannte, da war ſie kaum fähig geweſen zu begreifen, was ihr der Vater ſchrieb. Es war die kurze, ſtrenge Anzeige, daß er Camillo beauftragt habe, ſie abzuholen und in die einzige Freiſtatt zu bringen, wo ſie ſich mit Gott verſöhnen könne, in das Kloſter zu ſeiner Schweſter. Dem Wahnſinn nahe, in ihrem Zimmer eingeſchloſſen, hatte ſie mehrere Stunden zugebracht; nun war aber das Alles vorüber. Sie hatte zum Tode erſchöpft dem Arzte den Zutritt geſtat⸗ tet, aber in ihrem Herzen war es ſtill, grabesſtill; ſie wußte andere Freiſtatt, als die ihr der Vater geboten hatte. Der Arzt, als er den Beſuch der beiden Herren ver⸗ hindert, fand nichts dagegen einzuwenden, daß Madda⸗ lena der Kranken auf ihr Verlangen das Kind brachte; es konnte dazu dienen, durch ſanfte Gefühle ihre aufge⸗

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