Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

217 gebeten hatte, zum Prieſter gehen zu dürfen. Sie wurde von der Herrin jetzt vorläufig entlaſſen, da ſie als Wirth⸗ ſchafterin Anſtalten für deren Aufnahme zu treffen hatte; ihr Kind blieb, als verſtehe ſich das von ſelbſt, bei der ſchönen Frau zurück, welche ihm geſtattet hatte, ſie Tante zu nennen. Es war ein reizendes kleines Weſen von ungefähr vier Jahren, mit einem Geſichtchen, das nur einen leichten Anflug ſüdlichen Teints hatte, umwallt von glänzenden ſchwarzen Locken und belebt von einem Augenpaar, deſſen Feuer Jeden, der das Kind ſah, mit Bewunderung füllte. Judith war die Kleine getauft. Warum mußte dieſes liebliche und liebevolle Weſen den Namen jener blutigen Heldin der heiligen Schrift tragen, deren Gedächtniß Grauen erweckt? Konnte die kleine Giuditta ihr jemals ähnlich werden?

Sie ſaß auf dem Schooße Virginia's und ie ihr Allerlei vor; ſie hatte ihr ſo viel zu erzählen. Vir⸗ ginia hörte ihren kindiſchen Geſchichten in ſüßer Vergeſ⸗ ſenheit ernſterer Verhältniſſe theilnehmend zu, als werde ſie wirklich dadurch im höchſten Grade intereſſirt; ſie richtete Fragen an das Kind nach ſeinen kleinen Erleb⸗ niſſen, ſie wußte in ſeine Gedanken und Vorſtellungen einzugehen und lachte mit ihm, daß es dem Herzen wohl that, wenn Jemand beide beobachten konnte.Wie ſchade, Frau Gianna, hatte Maddalena bei der vo⸗