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geflügelt am ſonnigen Bache dahingaukelt, aber es kam die Zeit, welche im Leben nicht immer bis auf den Herbſt wartet, um daſſelbe des Lichts und der Farben und all ſeines vergänglichen Reizes zu entkleiden, und dann, Virginia? Armes Weib! In manchem Zeichen, das er nur von fern bemerkt und darum nicht ganz begriffen hatte, glaubte er ſchon das aufſteigende Gewölk zu ſehen, das den Sturm heraufführen konnte. Der Verwandte ihres Gemahls, der für ſie eine ſo tiefe Leidenſchaft ge⸗ faßt hatte, daß Camillo, als er ihn kennen gelernt, an— fangs Beſorgniſſe gehegt, erſchien ihm jetzt faſt wie ein Troſt; wenn alle Täuſchung für Virginia zerrann und nirgends für ſie der feſte Halt zu erblicken war, den ihr der Mann, dem ſie ſich hingegeben hatte, nimmer gewähren konnte, dann fand ſie vielleicht einen treuen und lautern Freund an dem Jünglinge, mit dem ſie jetzt ein herzloſes Spiel zu treiben ſchien, wie mit dem Larvenſchwarme ihrer Anbeter am Hofe. Auch ihre plötzliche Abreiſe mochte in dies Spiel gehören. Vielleicht war indeſſen Emilio's Zudringlichkeit die Urſache. Virginia hatte vor nicht langer Zeit ihrem Bruder ſchuld gegeben, daß er ſie mit Spionen umſtelle; ſie hatte nur die Perſonen verwechſelt; Emilio war es. Der alternde Cava⸗ lier, von heißer Leidenſchaft für das reizende Weib ent⸗ brannt, von wüthender Eiferſucht gefoltert, daß ſie einen Andern glücklich machen könne, hatte ſich Mittel und Wege
Bernd von Guſeck, König Murat's Ende. J. 14


