Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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ſie ganz gleichgültig geweſen wäre, entzogen. Wie dann

ferner ihr Schickſal und Leben ſich geſtaltet hatte, mochte dieſer Hang zur Meiſterſchaft in der Kunſt, ſich nie durch⸗ ſchauen oder errathen zu laſſen, ſich entwickelt haben, wenn derſelbe nicht vielleicht in trauriger Wechſelwirkung mit zu jener Geſtaltung ihrer Lebensverhältniſſe beigetragen hatte. Ob ſie aber, mit fremden und wichtigen Geheim⸗

niſſen betraut, fähig ſein würde, dieſelben mit gleicher

Sicherheit zu bewahren, wie ihre eigenen, blieb ſehr zwei⸗

felhaft, denn ſie war doch immer eine Frau.Arme Vir⸗

ginia! dachte Camillo, denn wie ſtreng er auch gegen ſie war, er liebte ſie doch im Grunde ſeines Herzens, wie all die Seinigen, die nicht erſt ſeit heut und geſtern, ſon⸗

dern ſo lange Camillo denken konnte, ſich einander ent⸗

fremdet und fern geſtanden hatten, dennoch durch Bande der Liebe, unzerreißbar ſtark, verbunden waren. Er hatte das wieder recht gefühlt, als er mit Virginia an dem vermeintlichen Sterbebette des Vaters zuſammengetroffen war. Ihre jetzige Lage, ihre Ehe, das Verhältniß zum Vater, zu ihm, die furchtbare Leere ihres Herzens, welche, wenn heute noch nicht, doch über kurz oder lang ſich ihr fühlbar machen mußte; konnte der äußere Glanz, die Rolle, welche ſie in der großen Geſellſchaft ſpielte, die Huldigung, von der ſie umgeben war, dafür entſchädigen? Noch war ſie die goldſchimmernde Libelle, welche leicht