brochen haben, daß mir das gleiche Loos zu Theil ge⸗ worden iſt?“
„Sie laſſen mich nicht ausreden, gnädige Tante“, erwiderte er, immer in deutſcher Sprache, während ſie, als habe der Eindruck ſeiner Mittheilung ſie dazu veran⸗ laßt, plötzlich italieniſch geſprochen hatte.„Ich wollte nur hiſtoriſch bemerken, daß die Königin Johanna, um dem Parteitreiben kräftig zu begegnen, ſich noch in ihrem ſechsundvierzigſten Jahre entſchloſſen hatte, zum vier⸗ ten Male zu heirathen, und daß ihre Wahl auf einen deutſchen Prinzen, Otto von Braunſchweig, gefallen war. Ihr Ende war aber ein ſehr trauriges. Als die Rö⸗ mer nämlich, um der ſogenannten babyloniſchen Gefan⸗ genſchaft der Kirche, das heißt der Reſidenz der Päpſte in Avignon, ein Ende zu machen, die Wahl eines Ita⸗ lieners, Urban's VI., durchgeſetzt, der zu Rom wieder' ſeinen Sitz genommen hatte, und der König von Frank⸗ reich wider denſelben einen Gegenpapſt, Clemens VII., zu Avignon aufgeſtellt, wodurch das Aergerniß der gan⸗ zen Chriſtenheit, das Schisma entſtand, will ſagen: die Kirchenſpaltung—“
„Ich bitte Sie um Erbarmen, gütiger Neffe!“ un⸗ terbrach ihn Virginia von neuem und nun deutſch ſpre⸗ chend.„Dieſe gelehrten Dinge verſtehe ich nicht; was in aller Welt haben ſie mit der heirathsluſtigen Königin zu thun?“


