221
dem Stadtſchloſſe iſt es zu laut, ſie wird ihn ſtiller verſteckt haben.“ Er dachte an die Schwarzburg, die uralte Veſte, von der ſich das gräfliche Haus benannt hat. Im einſamen Waldthale, auf ihrer Felſenzunge von der Schwarza bis auf den engen Zugang rings um⸗ brauſt, war die Burg ſo recht zu einer Freiſtatt ge⸗ ſchaffen. Nach der Schwarzburg alſo! Der Weg, vier Stunden weit, war ermüdend, Kandel geſtattete ſich daher eine Raſt im Zechenhauſe, das am Eingange des wildromantiſchen Thales lag, da, wo jetzt das Wirths⸗ haus der Chryſopras ſteht. Als Kandel hier mit der Bergmannsfrau, die ihm einen friſchen Trunk ge⸗ bracht, vor der Thür ſaß, kam ein Wäglein daher, mit einem ſtarken Pferde beſpannt. Der Krämer fuhr auf, wie von einem Stiche getroffen. Kannte er dies Geſchirr nicht? War es nicht das des Saalfelder Paſtors? Aber ein Blick auf den Wagen ließ ihn das vergeſſen, denn oben ſaß hinter dem Knecht ſeine Allerſchönſte, die er trotz des letzten groben Beſcheides von ihrem Vater noch immer nicht aufgegeben hatte.
„Lieſel, wo kommſt Du her?“ rief er aufſpringend. „Nimm mich mit, ich bin todmüde.“
Sie ließ anhalten und fragte mit einem unfreund lichen Blicke, wohin er denn wolle. Da fiel ihm erſt Alles wieder ein.„Nach der Schwarburg, Herzchen!“


