2
06
Verſtorbenen machte, aber er erfuhr nicht Alles, was ihr Aquila geſagt und in der Schrift, die er ihr zurückgelaſſen, niedergelegt hatte. Erſt als ſie geendigt, meldete die Hofmeiſterin, daß Fräulein von Rettleben mit den jungen Gräfinnen in den Hain gegangen ſei. Katharina bat Günther nun, ſich auf der Heidecksburg wie ſonſt wieder heimiſch zu machen, ſolange es ihm gefalle; es war ſchon Befehl gegeben, für ſeine Auf⸗ nahme auf längere Zeit zu ſorgen, und er fand in den Zimmern, die ihm angewieſen wurden, gar Vieles, das ihn an die alten Tage erinnerte. Gedachte er aber die gaſtliche Einladung auf lange anzunehmen? Was hätte ihn dazu bewegen können?
Im Hain war Adelheid, die Töchter Katharina's hatten ſie begleitet— gerade deshalb wollte Günther ſie dort aufſuchen. Er konnte ihr in Gegenwart der Mäd⸗ chen Alles ſagen, ſo wähnte er, was er ihr zu ſagen hatte. Sie verleugnete ihren katholiſchen Glauben ſo wenig als er, deſſen war er ſicher, darum durfte er auch ungeſcheut mit ihr davon ſprechen, wie er einſt in dem Hauſe zu Dresden, wo er ſie kennen gelernt, über die höchſten und heiligſten Dinge in ſeltener Uebereinſtimmung mit der Jungfrau geſprochen hatte. Fragen, die ihm ſonſt über ihre Schickſale zu Kaſſel am Herzen lagen und neuerdings auf dem Ehrenſtein


