Teil eines Werkes 
3. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

204

ſtattlich ſah er jetzt aus, Herr Günther vom Walde, der wirklich ihr Vetter war; ſie freuten ſich, ihn heute näher kennen zu lernen, wenn erſt die Mutter mit ihm geſprochen haben würde. Auf ihren Wunſch hatten ſie das Zimmer verlaſſen, als er ſich an⸗ melden ließ.

Katharina war nicht allein, als ſie Günther empfing; er ſah eine ältere Frau neben ihr ſtehen, was nur die Hofmeiſterin ſein konnte, deren er ſich auch noch aus frühern Zeiten erinnerte. So wurde es ihm leicht, ſeine Haltung, die er einen Moment ſchon ſchwanken fühlte, zu bewahren, und die Gräfin war glücklich darüber. Sie ſprach ihn gleich ſo herzlich an, ſo un⸗ befangen zugleich, daß ſie ihm auch dadurch zu Hülfe kam und er in vollkommener Faſſung ſie begrüßen konnte. Die Hofmeiſterin, welche ihn ſeit ſeinem Schei⸗ den vor ſiebzehn Jahren nicht wiedergeſehen hatte, bewillkommte ihn auch und freute ſich im Stillen ſeiner männlichen Erſcheinung. Wie vortheilhaft hatten das Leben, die Freiheit, der Kampf auf ihn gewirkt! In der Kloſterzelle wäre der bleiche Mönch vielleicht nicht mehr unter den Lebenden. Von dieſer Zeit war in dem Geſpräch, das nun ungezwungen floß, mit keiner Silbe die Rede; möchte er ſie ſelbſt nur ganz vergeſſen können! Dagegen fragte die Gräfin, nachdem ſie von