Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

war, als ſie wieder daran dachte, durch die ſorgloſe Heiterkeit ihrer nichts ahnenden Kinder wehmüthig ge⸗ ſtimmt worden. Die Frage der treuen Frau, welcher ſie die beſondere Obhut ihrer Töchter anvertraut hatte, ſtählte ſie jedoch wieder, ſie fühlte, daß ſie ſich nicht weichen Gefühlen hingeben dürfe, wo die Ereigniſſe vielleicht bald ihre ganze Seelenkraft in Anſpruch nah⸗ men. Freundlich beantwortete ſie die Frage der Hof⸗ meiſterin, der Wahrheit gemäß, aber doch nur im All⸗ gemeinen, und ſetzte zugleich hinzu:Alles ſteht in Gottes Hand! Wir wollen thun, was an uns iſt, und den Ausgang ihm anheimſtellen.

Auf dem Ehrenſtein war im Hofe große Bewegung, als der Wagen der Gräfin von Schwarzburg unan⸗ gemeldet einfuhr. Das Geſinde lief eben zuſammen, man hörte laute Stimmen durcheinander, Alles ſtürzte nach einem Punkte hin, wo ſich ein Knäuel von Men⸗ ſchen bildete. Auf einen Wink der Gräfin ſprengte der berittene Diener, der ihren Wagen begleitete, voraus, ſich nach der Urſache des Zuſammenlaufs zu erkun⸗ digen. Er ſah in der Mitte des Kreiſes einen großen Wolfshund im Todeskampfe liegen. Die Leute hatten einen weiten Ring um ihn gebildet, Alles war jetzt ſtill und nur flüſternd theilten ſie ſich ihre Bemerkungen mit. Der gräfliche Diener wandte verächtlich ſein Pferd

S

6