Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Es war aber nicht dieſe Ueberzeugung allein, welche Katharina's Augen ſo hell in den ſchönen Morgen hin⸗ ausſchauen ließ. Sie hatte auch von ihrer Tochter und deren Gemahl erfreuliche Briefe erhalten, erfreulich nicht blos in Bezug auf das Glück Anaſtaſia's, an welchem die Mutter nie gezweifelt, ſondern auch in Bezug auf die Verhältniſſe zu Kaſſel. Graf Vollrath von Waldeck beſaß das Vertrauen des Landgrafen, er war ſein Geſandter beim Religionsgeſpräch zu Regensburg im vorigen Winter und hier einer der Auditoren geweſen, ihm war auch jetzt Manches bekannt, was Andere nicht wußten, und er nahm keinen Anſtand, der verehrten und geliebten Mutter ſeiner Anaſtaſia davon zu er⸗ zählen. An eine Bundeshülfe durch den Landgrafen war freilich nicht zu denken. Er war von allen Seiten bedroht, ſeiner gräflichen Vaſallen Lippe, Schaumburg, Rittberg beraubt, ſeines eigenen Landesadels, deſſen Vornehmſte ſich zum Kaiſer wandten, nicht mehr ſicher, das Land war erſchöpft, aber dennoch hatte er feierlich erklärt, ſich zu keinem Schritte zu verſtehen, der gegen die Religion oder die Ehre wäre. Die wichtigſte Nach⸗ richt, welche Graf Waldeck ſeiner Schwiegermutter mit⸗ getheilt hatte, war aber die, daß der Landgraf dem Kurfürſten, nachdem dieſer ſeinen Sieg nicht durch eine

kräftige Unternehmung benutzt hatte, den Rath ge⸗ 14*