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Vetter, warum erſt zur Belagerung von Leipzig, das ihm zufallen mußte, wenn Moritz geſchlagen war? Drei Wochen wurde Leipzig vergebens belagert und mit unglaublich ſchlechtem Erfolge beſchoſſen. Kein Wunder, wenn das Volk an Verrath, wenigſtens ab⸗ ſichtliche Schonung dachte und das Spottlied ſang: „Leipzig liegt haußen und Leipzig liegt drinnen, alſo kann Leipzig nicht Leipzig gewinnen!“ Viele kurfürſt⸗ liche Offiziere hatten nämlich Hab und Gut, Weiber und Kinder nach dem ſichern Leipzig gebracht, ehe ſie zum Kriege ausrückten; ſo mochten ſie vielleicht nicht ernſthaft der Stadt ſchaden wollen, und in einem Kriegs⸗ rath wurde der Sturm, zu welchem Georg von Recke⸗ rodt, Oberſt eines heſſiſchen Regiments, dringend mahnte, mit Stimmenmehrheit verworfen. Der Kurfürſt hob denn die fruchtloſe Belagerung auf, nicht etwa, um noch jetzt den Herzog Moritz, der bei Chemnitz erſt wenig Truppen beiſammen hatte, vor Ankunft der Hülfe, die ihm ſein Jugendfreund Albrecht von Bran⸗ denburg⸗Kulmbach zuführte, anzugreifen, ſondern um in dem fetten altenburger Lande bequeme Winterquar⸗ tiere zu beziehen.
Und noch lächelte ihm das Glück, wenn er nur die wandelbare Fortuna bei der Stirnlocke gefaßt hätte! Ein verführeriſches Weib bot ihm ihre Hülfe dazu.


