Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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burg. Die Gräfin erhob ſich, ihn zu empfangen, er⸗ ſtaunt über den unerwarteten Beſuch. Was konnte ihn von Sondershauſen, wo Graf Günther jetzt ſeine Reſi⸗ denz genommen, in dieſer ſtrengen Jahreszeit, bei den ſchlechten Wegen hierher geführt haben?

Er hatte ſein ganzes Gefolge im Vorzimmer ge⸗ laſſen und trat ſo haſtig ein, daß er ſich erſt in der Thür beſann, den Wolfspelz nicht abgelegt zu haben. Raſch warf er ihn ab, er fiel von ſeinen Schultern zur Erde.„Komme ich nicht wie ein Dieb in der Nacht, Muhme Katharina?“ rief er der Gräfin entgegen, die ihn willkommen hieß.„Wollt Ihr mir auf eine Nacht Obdach gewähren?“

„Auf viele Tage, lieber Vetter, ſolange es Euch bei mir gefällt!“ erwiderte die Gräfin herzlich. Sie fragte nicht, aber ihr kluges Auge bemerkte die Auf⸗ regung, in welcher der Graf war, und daß er ſich ſehnte, mit ihr allein zu ſprechen. Ein Wink entfernte die Hofmeiſterin mit den Kindern und die übrige Ge⸗ ſellſchaft, kaum daß der Gaſt Zeit hatte, ſeine Nichten zu begrüßen und den Frauen ein Wort zu ſagen.

„Ihr habt eine Sorge, lieber Vetter!“ ſprach Katha⸗ rina, ſobald ſie mit ihm allein war.

„Ich ſtehe als Flüchtling vor Euch, von Land und Leuten vertrieben!“ rief Günther.