Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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für eine kurze Zeit das Geſpräch über die obſchwebenden Wirren im Reiche unterbrach Ehe es wieder aufge⸗ nommen wurde, verließen die Frauen die Tafel. Frau von Bieſerodt dankte der Gräfin und wandte ſich an die junge Frau, für welche ſie ſchon, als dieſe noch ein Kind war, eine beſondere Vorliebe gezeigt hatte. In jener Zeit war ſie oft auf der Heidecksburg geweſen, ſpäter mußte ſie einen Grund gefunden haben, ihre Beſuche zu beſchränken. Die Gräfin kannte ſie als eine im Grunde gutmüthige Frau, die nur das Unglück gehabt, an einen überaus ſchwachen Mann verheirathet zu werden, den ſie ſelbſt nicht geliebt hatte und nun in aller Freundlichkeit knechtete. Dadurch war ſie ganz ihren eigenen Wünſchen und Launen überlaſſen geblie⸗ ben, und wenn man ihr auch nicht gerade beſtimmt etwas Uebles nachſagen konnte, ſo gab ſie doch den Menſchen viel Anlaß, ihr Manches ſchuld zu geben. Es war zu jener Zeit der Gräfin Katharina, die noch nicht verwittwet war, ganz lieb geweſen, daß die rück⸗ ſichtsloſe Frau, die ſich wenig Mühe gab, auch eine tadelnswerthe Sinnesneigung zu verhüllen, ihre Beſuche ſeltener werden ließ. Später war ſie mit ihr zuweilen noch zuſammengekommen, aber nur gelegentlich. Zum Hochzeitsfeſte, wo ſie den ganzen Adel ihrer beiden Herrſchaften eingeladen hatte, konnte natürlich Bieſerodt