197 Füßen und ich kann wieder frei aufblicken zur heiligen Gottesmutter, vor der ich mein Haupt ſchuldbewußt verhüllen mußte! Darum freue Dich Weib, und ſegne mit mir die Stunde, da mir Gottes Gnade zum Siege verholfen hat! Ich kann nun getroſt meine Lenden gürten mit dem Schwerte des Heils!“
Seine gewaltige Sprache, die ſie an eine unver⸗ geſſene Nacht im Waldgebirge erinnerte, das fremd⸗ artige Lächeln, das ſeine Züge wie in geiſtiger Ver⸗ zückung überflog, machten auf ſie einen tiefen Eindruck. So hatte ſie den Prieſter der Wiedertäufer auf der Höhe geſehen, als ihr Mann ſein nichts ahnendes Weib zu der nächtlichen Verſammlung nach der Reinsbergen mitgenommen hatte, und wie ſie damals gebebt vor den mächtigen Worten, die ihr wie Frevel erklungen waren, fühlte ſie auch jetzt ein Grauen, obſchon ſie nur dunkel ahnte, welcher Sinn in der Rede des leidenſchaftlich aufgeregten Mannes verborgen lag. Sie hätte ihn gern mit klaren und nüchternen Wor⸗ ten gefragt, was ſie gern wiſſen wollte: wo er die Gräfin geſehen und was vorgefallen ſei, das ihn reden laſſe wie einen, über den ein fremder Geiſt gekommen iſt, aber ſie wagte es nicht. Sie ſagte nur:„Ich freue mich, wenn Ihr dem lieben Gott danken könnt!“


