236
ſehen uns nun wohl öſter!“ ſagte ſie.„Die Birkenfeld ſende ich Ihnen morgen.“
Es widerſtrebte Riedau, ſogleich den Grafen Trautſon zu beſuchen, was er ohne dieſe ſeltſame An⸗ gelegenheit gethan haben würde. Er ging vielmehr aus, die Wohnung ſeiner Schweſter zu erfragen. Cajetana blieb bei ihrem Kinde zurück. Sie ſang es eben in Schlaf, als leiſe an ihrer Thüre geklopft wurde. Auf ihr Herrein! erſchien mit freudeverklärtem Angeſicht auf der Schwelle, in ſtädtiſcher Kleidung fremdartig zwar, aber doch auf den erſten Blick erkannt Kathi. Sie eilte zu Cajetana, die ihr ein Willkommen zurief, und weinte vor Entzücken, ſie wieder zu ſehen. Graf Trautſon, in deſſen Hauſe ſie grade geweſen, hatte ſie hergeſchickt. Da gab es viel Fragen und Verwunderung— denn Kathi war ſeit einigen Mo⸗ naten auch verheirathet, und mußte erzählen, wie das gekommen war. Freilich verſchwieg ſie dabei, wodurch ſie das Herz der Frau Riedel gewonnen hatte, wenn ſie auch der Bedrängniß erwähnte, in welcher die Familie geweſen, und die nun durch geſchickte Geſchäftsführung und Gottes Gnade glücklich vorüber gegangen war. Sie berichtete auch lächelnd, daß Frau Riedl zufrieden geweſen, eines Schulmeiſters Enkelin und kein Zigeunermädchen in ihr zu finden, und daß ſie ihre Berechtigung, ſich wie eine Bürgerstochter zu kleiden, was ſie zuerſt auf den


