Teil eines Werkes 
4. Bd. (1860)
Entstehung
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ſchienen, bemerken mußte, und ſo tief er ſie gekränkt hatte, regte ſich in ihr doch ein weibliches Mitleid: gewiß war er noch recht krank und nur das Gefühl der Ehre hatte ihn vorzeitig wieder in das Feld geführt. Sie ſah ihn, wie geſtern, während des ganzen Marſches nicht mehr, denn er hielt ſich ſtets bei der Hinterhut auf. Wenn ſie aber dachte, daß nur zufällig dies dienſtliche Commando ihn hergeführt hatte, ſo irrte ſie ſich; er hatte ſich daſ⸗ ſelbe zu verſchaffen gewußt, und noch ehe die Sonne un⸗ terging, ſollte ſie ſich davon überzeugen.

Der heutige Tagmarſch war nur klein. Seit man den Oglio überſchritten hatte, war für das Fuhrweſen die Nothwendigkeit nicht mehr vorhanden, daſſelbe un⸗ gewöhnlich anzuſtrengen, und die Lage der für die Nachtraſt bequemen Ortſchaften ergab die Haltepunkte. Das Wetter war herrlich, der dunkelblaue italieniſche Himmel ſchim⸗ merte wolkenleer über der reichen Landſchaft; noch war die verſengende Hitze nicht eingetreten, welche ſpäter das Grün entfärbt oder an den Straßen mit Staub über⸗ pudert, die Flutgräben mit ihrem Waſſer, die Weinge⸗ hänge an den jungen Maulbeerbäumen, Alles war noch friſch. Von Zeit zu Zeit leuchteten die weißen Mauern einer Villa oder das goldene Kreuz einer Kapelle ſeitwärts herüber; Dörfer und Städtchen, in der Bauart nicht zu unterſcheiden, unterbrachen die Einförmigkeit der Gegend,