Teil eines Werkes 
4. Bd. (1860)
Entstehung
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beſaßen, war er der Mann dazu, in der gegenwärtigen Lage Kraft und Nachdruck zu entwickeln, auf welche es doch allein ankam? Kaunitz, der an Königsegg's Stelle Reichsvicekanzler geworden war, hätte den Bedürfniſſen der Zeit mehr entſprochen, aber ſeine Geſundheit war ſchwankend. Die einzige Hoffnung ſtand auf dem Fürſten von Salm, der für das energiſche Princip in der Con⸗ ferenz des Kaiſers galt und darin getreulich von dem Oberſtkämmerer Grafen Karl Waldſtein unterſtützt wurde. Gab es denn aber hier noch ein Schwanken und Zaudern, wo die Ehre gebot, das Schwert zu ziehen?

Unter dieſen Gedanken war Graf Königsegg an die Pforte des Gartenpalais gelangt. Geſtern Abend erſt aus Tirol zu Wien angekommen, war es ihm jetzt erſt möglich geweſen, ſeine Stiefmutter zu beſuchen ſo ſehr hatten ihn die dienſtlichen Geſchäfte, in welchen er vom Obercommando an den Hofkriegsrath geſendet worden war, in Anſpruch genommen. Als ihm die Thüre ge⸗ öffnet wurde und er hier das alte bekannte Geſicht des Dieners erblickte, dieſer ihm auf Befragen ſagte, daß ſeine Mutter anweſend ſei, und ſich entfernte, um ihn an⸗ melden zu laſſen, wehte den Grafen ein heimiſches Gefühl an, und die Wogen der Politik, die ihn bis jetzt umrauſcht hatten, rollten zur Ferne und ließen wieder die näher lie⸗ genden Intereſſen der Menſchen, um die er Sorge trug,