ab, um die verlorene Selbſtherrſchaft wieder zu ge⸗ winnen.
Cajetana ſah wohl, daß ſie ihre Wohlthäterin er⸗ zürnt hatte, aber ſie war fern davon, den eigentlichen Grund in dieſem Momente der Aufregung zu erkennen, ſie ſah ihn nur in ihrer entſchiedenen Weigerung, das⸗ jenige anzunehmen, was die Gräfin als ein Glück für ſie anſah. Als dieſe ſich abgewendet hatte, nahte ſie ihr, be⸗ mächtigte ſich ihrer widerſtrebenden Hand und küßte ſie mit der leiſen Bitte, ihr nicht böſe zu ſein, ſie könne nicht anders handeln.
„Du bedarfſt der Zeit, um Dich ſelbſt wieder zu finden,“ ſagte die Gräfin, indem ſie ihr die Hand ent⸗ zog.„Geh auf Dein Zimmer— nimm dieſen Brief mit Dir, es iſt mein Wille. Ihn zu leſen, kann ich Dich frei⸗ lich nicht zwingen. Ueberhaupt will ich Dich zu nichts zwingen, aber gib Acht, was Du thuſt und was Du Dir verſcherzen kannſt!“
Cajetana entfernte ſich ſtill; ſie hatte wohl gefühlt, daß in den letzten Worten nach dem Tone, in welchem ſie geſprochen wurden, eine Drohung verhüllt lag, aber ſie war fern davon, ſich durch dieſelbe einſchüchtern zu laſſen. Verſcherzen konnte ſie ſich freilich die Liebe der Gräfin, ja ſie konnte ſich noch mehr verſcherzen, aber das


