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Macht hinwegthauen. Aus den Fenſtern nahm ſich das ganz gut aus, aber die Gräfin konnte ſich des Gedankens doch nicht erwehren, daß die Wege bald grundlos ſein würden und es grauſam ſei, Anna Riedau zu jetziger Jahreszeit auf eine ſo weite Reiſe hinaus zu ſchicken. Der Moment, wie es bei ihr nur zu oft geſchah, hatte dieſen Entſchluß geboren, und ſie war zu ſtolz, ihn zu wi⸗ derrufen. Als ſie noch mit dieſen Erwägungen beſchäftigt war, kam die Allee herauf ein Diener geritten, der die Livree des Hofes trug; er überbrachte einen Brief von der Oberſthofmeiſterin, Gräfin Caraffa.
Erwartungsvoll öffnete ihn die Gräfin; er war in italieniſcher Sprache und jenem umſtändlichen Ceremo⸗ nialſtil geſchrieben, für welchen ſich keine andere Sprache ſo gut eignet. Die Oberſthofmeiſterin holte weit aus, um der Gräfin Königsegg zu eröffnen, daß ſie durch viele mündliche Zeugniſſe von der Brauchbarkeit und Zuver⸗ läſſigkeit einer Perſon, welche ſie in ihrer Geſellſchaft habe, überzeugt worden ſei—
„So ſchnell ſchon!“ rief die Gräfin angenehm über⸗ raſcht.„Sie ergibt ſich ſo ſchnell!“—
Da nun der Hofſtaat Ihrer Römiſch⸗Königlichen Majeſtät, fuhr der Brief fort, grade ſolche Perſonen brauchen könne und ganz beſonders vorſichtig in der Aus⸗ wahl derſelben ſein müſſe, jetzt aber grade eine Stelle vacant geworden, in welcher man gern eine Perſon von


