übermorgen vor ſich gehen werde, und gab gelegentlich demjenigen Diener, welchen ſie zum Begleiter des Fräu⸗ leins erſehen hatte, ihre Befehle. Dieſer war davon nicht beſonders erbaut, denn Anna Riedau hatte es verſtan⸗ den, ſich auch bei der Dienerſchaft möglichſt unbeliebt zu machen.
Nach der Tafel herrſchte, wie immer, tiefe Stille im Hauſe: die Gräfin hielt ihre Sieſta und hatte einen ſo leiſen Schlummer, daß ſie durch das geringſte Geräuſch geſtört werden konnte, daher war es um dieſe Stunde im Königsegg'ſchen Palais wie ausgeſtorben. Der kurze Wintertag hatte ſich längſt geneigt, unfreundliches Dunkel waltete draußen, und das Thauwetter, das ſich immer entſchiedener ausſprach, machte die Vorſtadt faſt ungang⸗ bar. Dennoch wanderte durch Regen und Schmutz, ge⸗ leitet von den Lichtern, welche durch die blätterloſen Bäu⸗ me von der Höhe hernieder blinkten, eine einſame Geſtalt mit rüſtigem Schritt und gelangte endlich an den Eingang des Hauſes, wo ſie eine Weile zauderte und nach den einzelnen, erhellten Fenſtern emporſah, ehe ſie ſich ent⸗ ſchloß, leiſe anzuklopfen. Bei der Stille, welche drinnen herrſchte, wurde der Ton, der ſo ſchwach ſonſt wohl ver⸗ hallt wärec, gleich vernommen, und es erſchien alsbald in der geöffneten Thüre ein unwilliger Diener, welcher in der Finſterniß draußen Niemand erkennend mit rauher Stimme fragte, wer da ſei?


