deſſen. Es werden noch manche Ränke dagegen geſponnen, wie ich auch weiß, aber ich hoffe, ſie zu Schanden wer⸗ den zu ſehen. Der Vorzug, welcher Dir, einem jungen, fremden Mädchen zu Theil werden ſoll, iſt zu groß, als daß er nicht Neid erregen ſollte— manches andere Be⸗ denken, mit dem ich Dich verſchonen will, weil Du es nicht verſtehen würdeſt, läßt die ehrſame Aya der römi⸗ ſchen Majeſtät vor Dir zittern, mein unſchuldiges Kind. Aber Du wirſt wie eine Morgenſonne die Nebel durch⸗ brechen und all' die mattflimmernden Lichter am Hofe verdunkeln. Vertraue nur mir, ſei mir treu, und wie ſieg⸗ reich Du auch Deine Bahn wandeln magſt, höre immer auf meinen Rath— dann kannſt Du zu Großem in der Welt berufen werden!“
Das Auge der Gräfin ſtrahlte, in ihren ſprechenden Zügen war der hohe Flug ihrer Seele zu leſen, welche ein künftiges, in den Gang der Geſchicke eingreifendes Walten für ſich in Anſpruch nahm. Cajetana folgte ihr nicht; ſie wurde vielmehr durch ihre Worte, die ihr faſt wie Spott klangen, gedemüthigt und wußte nichts darauf zu erwiedern. Francesca küßte ſie auf die Stirn und ent⸗ ließ ſie, um, wie es ihr Wunſch war, auf ihrem Zimmer zu bleiben, während ſie ſelbſt mit Anna Riedau an der Tafel vor den Domeſtiken die unbefangenſte Unterhaltung führte. Sie ließ dabei hören, daß die Reiſe nach Salzburg
1860. III. Im Strom der Zeit. II. 15


