keine Miene kund, daß ſie die ſüße Verwirrung bemerkte, welche der plötzlich erweckte Gedanke an ein Glück ihrer Träume in dem wehrloſen Herzen erregt hatte.„Die rö⸗ miſche Königin hat Gefallen an Dir gefungen,“ fuhr ſie ruhig fort;„man hat die hohe Frau mit einer ſolchen Auswahl erleſenſter Häßlichkeit umgeben, daß ſie ſich wahrhaft ſehnt, ein junges, angenehmes Geſicht um ſich zu haben, und ich weiß es von beſter Hand, daß ſie den Wunſch geäußert hat, Dich unter ihre Kammerfräulein aufzunehmen. Was ſagſt Du dazu, Tani?“
Cajetana war vor Ueberraſchung lebhaft erröthet, aber zugleich überkam ſie auch ein Gefühl unbeſtimmter Bangigkeit vor dieſer neuen Wendung, welche ihr Schick⸗ ſal nehmen konnte. Wie ſollte ſie dort beſtehen, wohin ſie gar nicht gehörte! Ihr Herz ſchlug ſtärker, aber es war nicht vor Entzücken, und ſie erwiederte:„Ich kann es nicht glauben und es wäre für mich auch kein Glück!— Behalten Sie mich lieber bei ſich, wenn es Ihr Wunſch und der Wille meines Herrn Vormundes iſt, aber ich bitte Sie vom Herzen, laſſen Sie mich von allen den großen Feſten zu Hauſe: ich paſſe nicht unter die vorneh⸗ men Leute, ich bin ein armes Soldatenkind, gnädigſte Frau Gräfin— und gar, was mir heut' geſchehen iſt, läßt mir keine Freude mehr!“ Sie ſagte die letzten Worte mit bre⸗ chender Stimme und der Gedanke an ihren Vater um⸗ nachtete von Neuem ihre Seele.


