ich begreife das ganz; laß uns allein, ich habe mit Anna noch zu reden—“
„Anna, Sie haben mir heut', ohne es zu wiſſen, namenloſen Schmerz bereitet!“ rief Cajetana außer ſich. „Aber bei allen Heiligen beſchwöre ich Sie, mir zu glau⸗ ben, daß ich unſchuldig bin an dem, was ihnen ſo eben geſchehen iſt! Könnte ich ungeſchehen machen, was einſt— vielleicht!— an Ihnen verſchuldet ſein mag, ich würde mein Blut, mein Leben mit tauſend Freuden opfern! Mein Anblick ſoll Ihnen aber nicht mehr die traurige Erinnerung wecken— Sie werden bald vergeſſen, daß ich Sie betrübt habe, wenn ich fort bin. Meine Anweſenheit ſoll kein Grund ſein, Sie zu entfernen—“
„Cajetana!“ ſagte jetzt die Gräfin mit einem ſo ſtrengen und gebieteriſchen Tone, daß er das Mädchen verſtummen ließ.„Ich habe von Dir Achtung und Ge⸗ horſam zu fordern. Vergiß nicht, daß Graf Karl Fidelis Dein Vormund iſt und ſeine Rechte mir übertragen hat.“— Cajetana ſenkte das Haupt und Thränen entſtürtzten ihren Augen, ſie war ganz faſſungslos.—„Es war meine Ab⸗ ſicht, fuhr die Gräfin gegen Anna Riedau gewendet fort, welche mit eistodtem Blick zu ihr aufſchaute,„eine Scene ſolcher Art zu vermeiden. Da es nun aber einmal ſo weit gekommen iſt, wünſche ich auch Alles aufgeklärt zu ſehen. Von dem Schickſal Ihrer Familie bin ich un⸗ terrichtet, wie Sie wiſſen. Ihr Bruder denkt darüber an⸗


