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dreiviertel Jahren habe ich keine einzige tadelnde Bemer⸗
kung über ſie gehört, ſelbſt im engſten Kreiſe der Frau Marſchallin von Rabutin.“ „Und das will viel ſagen,“ ſetzte die Gräfin lächelnd hinzu.„Bin ich aber ſo lange fort geweſen? In der Hei⸗ math vergeht die Zeit ſo ſchnell. Ich komme wirklich in eine neue Welt. Wie lange iſt es her, Anna, daß wir über dieſe Berge nach Süden fuhren, in ſchönerm Wetter, als heut'?“
„Ueber ein Jahr, gnädige Gräfin. Wir ſind am 29. September des vorigen Jahres abgereist.“
Ein eiſiger Windſtoß auf der Höhe, welche ſie endlich erreicht hatten, traf in den offenen Schlag und warf den Regen hinein, der ſich eben zu ergießen anfing. „Auf Wiederſehen!“ ſagte die Gräfin, und das Schirm⸗ leder rollte auf ihren Wink nieder.„Sie haben mit Ihrem Bruder kein Wort gewechſelt, Anna,“ bemerkte die Dame gegen ihre Begleiterin, die ſich während des Geſprächs ganz zurückgeſetzt hatte.
„Er nicht mit mir, gnädigſte Gräfin!“ entgegnete die Riedau.
„Sie halten auf ſtrenges deutſches Ceremoniell. Gewiß haben Sie in meiner ſchönen Heimath vielen An⸗ ſtoß genommen, wenn Damen ſich kein Gewiſſen daraus machten, die erſte Anrede gegen Herren zu thun, mit denen


