240
übrig, als daß Sie Ihren Adel vergeſſen und denken, daß Sie nicht anders geboren ſind, wie unſer Eins, der doch auch ein Menſch iſt. Ja, ſehen Sie mich nicht ſo erſtaunt an, es iſt heraus, man muß nur Dinge, die verdrießlich ſind, nicht ſubtil angreifen, dadurch werden ſie noch ſchlim⸗ mer. Was bleibt Ihnen denn übrig, wenn Sie ſich ſelbſt durch die Welt helfen wollen, als daß Sie thun, was tauſend brave Mädchen thun müſſen? Arbeiten iſt keine Schande und dienen auch nicht.“
Vor dieſem Worte, das für Cajetana's verwöhntes Gefühl eine Schmach war, verſiegten die Thränen in ihrem Auge und ein ſprühendes Feuer loderte auf. Ihre Lippen zuckten, aber ſie fand keinen Ausdruck für das, was ihre Bruſt empörte. Nur die raſche Bewegung der Hand verrieth ihre Entrüſtung.
Frau Riedl verwunderte ſich nicht, ſie war darauf gefaßt.„Ich weiß ſonſt keinen Rath,“ ſagte ſie aufſtehend. „Nehmen Sie ſich Zeit, bedenken Sie ſich's ganz ruhig. Ich ſorge dann ſchon für ein gutes Unterkommen, Nie⸗ mand braucht ja zu wiſſen, wer Sie eigentlich ſind; den Namen, über den ſich die Leut' wundern möchten, laſſen wir aus, Nanni klingt eben ſo gut. Das Schlimmſte iſt freilich, daß Sie nicht an Arbeit gewöhnt ſind und nichts recht machen können; daran bin ich Schuld, ich hätt' Sie


