237
ſchloß, nicht um zu arbeiten, was er am Sonntage nach alter, frommer Sitte für ſündlich gehalten haben würde, ſondern um nichts von Allem zu hören. Er fühlte ſich ſtrafbar, daß er nicht einen Machtſpruch wagte.
„Mein Kind,“ hob Frau Riedl an, als Cajetana mit ihr allein war,„ich habe Ihnen Etwas zu ſagen.“ Ihre Stimme war etwas befangen, die kurzen Athemzüge verriethen, daß ihr die Sache doch nicht ſo gleichgültig ſei, als ſie ihrem Manne erklärt hatte.„Ich ſehe, daß Sie Einen wieder anſchauen können, und das iſt auch ganz vernünftig. Alſo bleiben Sie denn ſitzen, ich ſetz' mich zu Ihnen.— Sie wiſſen, daß der Herr Vater Sie uns hier gelaſſen hat, bis er wiederkommen und Sie abholen werde. Nun, weinen Sie nicht wieder ſo ſehr, das kann er nicht, weil's der liebe Gott anders gewollt hat. Wir haben Sie auch ganz gern behalten und haben Sie be⸗ hütet und bewahrt ſieben Jahre lang bis auf den heutigen Tag. Zehn Jahre waren Sie alt, als der Herr Vater ausmarſchirte, heut' ſind Sie ſiebzehn. Wir haben unſere Schuldigkeit alſo redlich erfüllt. Was denken Sie nun ſelber über die Sache, wie's nun weiter werden ſoll?“
Cajetana hatte in ihrem Schmerze darüber noch
nicht nachgedacht, wohl überhaupt keine Ahnung gehabt, daß in ihren nächſten Beziehungen eine Aenderung ein⸗


