Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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mehr, wie die heilige Meſſe ihre Wandlung nahm, zog ein ſanftes Wehen des Friedens in Cajetana's Bruſt, und als die Gemeinde die Kirche verließ, konnte auch ſie neu⸗ geſtärkt ſich erheben, um den fernern Prüfungen ihres Le⸗ bens entgegen zu gehen. Die ſchlanke, ſchöne Geſtalt im Trauerkleide hatte ſchon Vieler Augen auf ſich gezogen mehr noch wurde die Aufmerkſamkeit erregt, als plötzlich vor der Kirchenthüre ſich ein Mädchen in geringer Tracht an ſie drängte, ihr zu Füßen fiel, ihre Hand ergriff und mit Heftigkeit küßte, und die Trauernde, dem Eindrucke des Augenblicks nachgebend, Alles um ſich vergaß, das laut ſchluchzende Mädchen in ihre Arme ſchloß und ihr Haupt an deſſen Buſen legte, als ſuche ſie dort das treue Herz, das ſie nirgend anders ſonſt finden konnte. Mit Schrecken und Verdruß bemerkte Frau Riedl das öffent⸗ liche Aufſehen, das hier gegeben wurde; ſie ſtand erſt ſelbſt ganz betroffen über das dreiſte Thun der Dirne, welche ſie ſchon in der Kirche mit unheimlichen Gefühlen bemerkt und ſich dadurch in ihrer Andacht geſtört gefühlt hatte; aber ſie faßte ſich ſchnell und machte dem Aerger⸗ niß ein Ende, indem ſie Cajetana etwas unſanft am Arme nahm und ſie, der zudringlichen Dirne einen ſtren⸗ gen Blick zuwerfend, mit ſich hinwegführte.

Kathi hatte ſich wohl gedacht, daß die Kirche der einzige Ort ſei, wo ſie ihr geliebtes Fräulein ungehindert 1860. II. Im Strom der Zeit. I. 15