Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

229

Königsegg wußte um der Sache willen, der er ſich angenommen hatte, auch die nicht undeutliche Abfertigung, welche in den letzten Worten des Grafen lag, zu verwin⸗ den und ſtellte ihm noch einmal die troſtloſe Lage der Verwaisten vor, für welche er bei ſeinen Verhältniſſen doch wenigſtens etwas thun könne, um ihr ein anſtändi⸗ ges Unterkommen zu bereiten, das ſich dann ſchon finden werde. In ſeinem Eifer miſchte er ſogar, wie er ſich auch gegen den alten Riedl ausgeſprochen hatte, die Trieb⸗ federn der Ehre ein. Dadurch aber verdarb er Alles, wenn bei der Selbſtſucht noch etwas zu verderben war.

Mein beſter Graf, erwiederte Cronberg, nachdem er Alles mit ſichtbarer Unbehaglichkeit angehört hatte, Sie haben ganz Recht. Es tangirt die Ehre, einen ar⸗ men Verwandten darben zu laſſen, wenn man ſelbſt im Ueberfluß ſitzt. Ich habe noch gar viele arme Verwandte von weiblicher Descendenz der ausgeſtorbenen Linien und meiner eigenen darum kann ich nicht über deren Cyclus hinausgehen. Die Tochter des Kaſpar geht mich gar nichts an und ich bin zu alt, um durch ihre Schönheit ge⸗ rührt zu werden.

Sie werden mir kein unedles Motiv zutrauen? rief Königsegg, der ſich nun nicht länger bezwingen konnte.

Das fällt mir nicht ein, verſicherte Cronberg, von dieſem Tone ſtark eingeſchüchtert.Ich erkenne vollkommen