49
Laufe des angeſchwollenen Waſſers entgegen, in dem Grunde weiter hinauf, bis dahin, wo er den Bogen ge⸗ macht, welchen der Alte dem fremden Jäger beſchrieben hatte. Dort befand ſich eine enge, dichtbewachſene Schlucht, die zur Höhe hinaufführte.
„Wir können's heute nicht wagen,“ ſagte der Alte, als ſie die Stelle erreicht hatten.„Wenn ich von der Hirſchjagd heute gewußt hätte, ſo wären wir gar nicht hinausgegangen. Meinen Schuß wird Keiner gehört ha⸗ ben, da waren ſie noch ſtundenweit entfernt— wer konnte auch denken, daß der Hirſch hieher den Lauf nehmen würde? Sollte ich das feiſte Reh ſtehen laſſen, da es mir ſo wunderſchußrecht ſtand?“
„Aber ein Reh, Vater!“ wiederholte Kathi den Vorwurf, den ſie früher ſchon gemacht hatte.
„Thut mir leid, kann aber nicht helfen!“ verſetzte Martin.„Ein Bock wär' mir auch lieber geweſen, aber der Wildſtand geht mich nichts an, ich ſchieße auch ein Reh, wenn mir kein Bock vor die Büchſe kommt. Die Bauern werden mir's nicht verdenken, Wild iſt Wild, ein Reh äſet nicht viel weniger von der grünen Saat, wenns überwintert, als ein Bock. Und mit dem Herrn Oberſt⸗ Jägermeiſter hab' ich nichts zu ſchaffen.“— Sie hatten unterdeſſen im Dickicht die Stelle wiedergefunden, wo das erlegte Reh verſteckt lag. Der Alte ſetzte ſich auf die Erde,


