Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

die Schweſter den hellen Strahl ſeines Auges bei ihrer Antwort mißverſtehen können?

Zeit zu ungeſtörtem Ausſprechen gab aber erſt die Reiſe, welche beider Herzen ſo nahe brachte, als ſie ſich in frühern Jahren noch niemals gekommen waren. Was hatte Chriſtine von ihm alles zu er⸗ fahren, wie erkannte ſie das Zartgefühl, das aus jedem ſeiner Worte ſprach! Sie durfte ſich denn auch vor ihm nicht, wie vor andern, in ſich zurück⸗ ziehen, ſie konnte ihre Vergangenheit betrauern! Er hatte geglaubt, ſie werde den Schleier nehmen, er ſprach es nicht aus, aber ſie errieth es.Nein, Bernhard, ſagte ſie ruhig.Wohl könnte ich auch als Kloſterfrau mich andern nützlich machen, aber es würde mich hindern, den meinigen mich zu wei⸗ hen, wenn ſie mein irgend bedürfen. Das iſt mein Beruf noch. Den Eltern kann ich nicht folgen, traurig genug, aber Du weißt, wie ich ihnen nicht zur Laſt in der beſchränkten Lage fallen darf, unſern Geſchwiſtern jedoch und Dir vielleicht künftig wenn Ihr mich braucht, bin ich immer bereit.

O es wird ſoweit nicht kommen, daß die Eltern uns verlaſſen! rief Bernhard.Ich opfere alles gern, ſchon iſt mir gelungen, vom Kaiſer meine Dienſte anerkannt zu ſehen, ich bin, Du weißt es,