Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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dürftig, aber wenigſtens unabhängig leben. Im Friühlinge ſollte dieſer Umzug geſchehen bis da⸗ hin mußte jedoch, wie zu hoffen ſtand, Kunde von Bernhard kommen. Sollte ſie ausbleiben, ſo war Haugwitz feſt entſchloſſen, auf ſeine eigene Hand vorzugehen.

Das heilige Weihnachtsfeſt rückte näher. Wanda wünſchte noch einmal, ehe ſie aus der Gegend, die ihre zweite Heimath geworden war, ſchied, alle ihre Lieben um ſich zu verſammeln, und der Sohn, in deſſen Hauſe die Eltern jetzt weilten, hatte auf ihren Wunſch ſeine Geſchwiſter, die in der Nähe wohnten, und den Landeshauptmann mit Bärbchen eingeladen; auch Chriſtine hatte verſprochen, zu kommen, da ihr die Aebtiſſin einen Wagen mit ſicherm, bewaffnetem Geleit angeboten hatte. Bewaffnet mußte auch das Geleit ſein, das einem Kloſterwagen mitgegeben wurde, wenn er eine ſo weite Reiſe vor ſich hatte, als damals von Marienſtern am Schwarzwalde in der Oberlauſitz bis nach Schleſien war. Die Aeb⸗ tiſſin von Marienſtern konnte aber auch ein ſtatt⸗ liches Geleit aufſtellen, denn das Gebiet ihres Klo⸗ ſters umfaßte zwei Städte und ſechszig Dörfer. Der Tag, an welchem Chriſtine abreiſen ſollte, war ſchon feſtgeſetzt, als ſie an einem trüben Abende in ihrem