Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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ſeiner Ungeſchicklichkeit gegen Frauen fürchtete, am rathſamſten armer Erdmann!

Da ritt er vor auf dem Freigute, da ſtand, in ungebeugter Kraft wie ein Eichbaum, der greiſe Lan⸗ deshauptmann vor ihm, ſo daß Haugwitz ſich ſchä⸗ men mußte, wie gebückt er ſelbſt ſchon war und noch dem erſten herzlichen Gruße erſchien in der Hausthüre die Enkelin, bei deren Anblick er ſeine ganze Faſſung verlor. Ein ſchmächtiges Kind mit blonden Locken und lieben blauen Augen ſchwebte ſeiner Erinnerung vor, ſchüchtern und demüthig, mit dem er ohne viel Gefahr reden könne hier aber ſah er in vollendeter jungfräulicher Schöne, lieblich und majeſtätiſch zugleich, wie eine junge Königin, eine Geſtalt vor ſich, bei deren Erſcheinung ihm war, als fülle ſich der Raum um ſie her plötzlich mit goldenem Sonnenglanz. Sie hatte ihn erkannt, in heller Freude, erröthend eilte ſie herbei und er, faſ⸗ ſungslos, wie ein Verſinkender ſich an den elenden Halm ſeines ſpaßhaften Einfalls, mit dem er ſeine Diplomatie klug einzuleiten gedacht, klammernd, fing an, von dem Vogel zu ſprechen, der ihr vor Jahr und Tag entflohen ſei und den er ihr wieder bringe.

Sie ſah ihn an und nahm es erſt für eine Rede ohne viel Sinn, aber ſeine wachſende Verlegenheit, 1857. VII. Heimath und Ferne. II. 16