Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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in Prag, wo er nur eine kurze Zeit ſich aufgehalten hatte, um perſönlich beim Könige, welcher gerade in Böhmen war, das er nur allzuſehr um Ungarns willen vernachläſſigte, einen alten Anſpruch ſeiner Familie geltend zu machen. Dieſer war zweifelhaft und verjährt, ſo daß er kaum durchzuſetzen ſchien, der König aber, welcher gern jedermann zufrieden⸗ ſtellte, hatte dem Greiſe, deſſen Verdienſte um beide Kronen ihm die Erſten des Reiches: der Oberſtburg⸗ graf Leo Rozmital, die Sternberg, Schlick, Hrzan nicht genug rühmen konnten, ein Freigut im Fürſten⸗ thum Glogau geſchenkt, wo er jetzt mit ſeiner En⸗ kelin weilte Daß Bärbchen mit einem vornehmen böhmiſchen Herrn verlobt ſei, hatte zwar Haugwitz nochmals vernommen, als er aber in Prag der Sache auf den Grund ging, war ihm das unglaubliche berichtet und als Wahrheit betheuert worden: Bär⸗ bel, das arme Fräulein, das bei ebenſo armen Ver⸗ wandten lebte, hatte die Hand eines reichen Grafen ausgeſchlagen. Darum lächelte eben der gute Haug⸗ witz ſo vergnügt, wenn er an ſeine Negoziation dachte, die er, ohne bevollmächtigt zu ſein, auf eigene Hand unternahm. Wie aber kleidete er ſie ein? In ſpaßhaftes Gewand, erſchien ihm, da er ſich vor