Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

230

Stammgut zu dem ſeinigen noch übernommen, noth⸗ dürftig aufrichten laſſen und ſo auch das nöthige Geſind im Lohn behalten.

„Wo kommſt Du her, Erdmann? Wollteſt viele Jahre wegbleiben, mit den Schwalben biſt Du im vorigen Herbſt erſt weggegangen.“

„Und mit den Krammetsvögeln komme ich dieß Jahr ſchon wieder!— Gute Botſchaft, Frau Gevat⸗ terin! Der Bernhard iſt geſund— aber hier iſt kein Ort zum Erzählen, kommt, der Pfarrer hat mich aufgenommen und wird auch ſeine Herrſchaft gern ſehen, ich meine, ſeine alte Herrſchaft.“

Wanda konnte kaum erwarten, Nachrichten von ihrem Sohne zu erhalten, welchen Haugwitz nun ge⸗ ſehen hatte. Bei der weiten Entfernung war es da⸗ mals, trotz des regen Handelsverkehrs, in welchem namentlich die ſüddeutſchen Städte mit Italien ſtan⸗ den, bei dem Mangel regelmäßiger Verbindungen überaus ſchwierig, Nachrichten aus der Fremde zu bekommen und ein einziger Brief, kurz vor Bernhard's Abreiſe nach der Levante geſchrieben, war alles, das bis jetzt ihr Mutterherz von ihm erfreut hatte. In⸗ haltſchwer für ſie war jener Brief auch geweſen, da er ihr die Erfüllung ihres Auftrages für Schlab⸗ rendorff meldete, aber das Räthſel blieb noch immer