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heit erſchrocken war. Kann es Wunder nehmen, daß er bei ſeinen zerſtreuten Gedanken den Segen des Gebetes nicht fand? Unbefriedigt erhob er ſich, und als er mit den beiden Greiſen den Weg nach dem Uhrgebäude nahm, auf deſſen Dache die eher⸗ nen Rieſen, die das Volk i mori nennt, auf frei⸗ ſtehender Glocke die Stunden des Tages anſchlagen, wo der Durchgang zu der Merceria iſt, war ſeine erſte Frage, wie es denn komme, daß Herr Filippo noch immer in Venedig und nicht daheim bei den Seinigen ſei?
Das ernſte Geſicht des Brescianers wurde noch ſtrenger, als es gewöhnlich war.„Die Stunde meiner Heimkehr hat noch nicht geſchlagen,“ erwiederte er. „Vielleicht, daß Ihr ſie mir dießmal beſſer bringt, als da Ihr zuerſt kamet.“
„Dießmal, ich? Wie ſo?“ fragte Bernhard von Linden.
„Weil Ihr dießmal Krieger mitbringt und im vorigen Sommer nur Papiere, die kein Vertrauen zur That erweckten,“ verſetzte Diodati.„Mein Vetter Marani hatte es gut im Sinn, aber ſeine Nachricht, die er von Euch erhalten, daß eine bedeutende Ver⸗ ſtärkung aus Deutſchland komme, war eher geeignet, die Signoria dieſer Stadt einzuſchüchtern und von


