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dem allzugewagten Unternehmen nur doppelt ſo ſtark als der Gegner abzuhalten.“
„Filippo!“ rief der Bruder mit halber Stimme, indem er ſich, erſchrocken über die gefährliche Spott⸗ rede, überall umſah.„Vergißt Du, wo Du biſt?“
„Sei ruhig, Andrea, wir find allein auf hun⸗ dert Schritt,“ erwiederte Filippo mit einem bittern Lächeln.„Die Löwenrachen am Dogenpalaſt, die Hüter Eures Staatswohls, werden keinen Zettel mit meinem Namen von unbekannter Hand erhalten, und was jenſeit der Seufzerbrücke liegt, bleibt für mich ein unbekanntes Land. Ich hoffe nun aber in Wahrheit auf baldige Erlöſung.“
Sie waren unterdeſſen zu dem Hauſe des Gold⸗ ſchmieds gelangt und die Frau und Kinder des Al⸗ ten nahmen den Gaſt, den er mitbrachte, mit der⸗ ſelben Freundlichkeit auf, wie das erſtemal, da er in ſeiner Noth hier eingeſprochen und auf die Empfeh⸗ lung ſowohl, als die Nachricht, deren Ueberbringer er war, Aushilfe gefunden hatte. Im ſichern Zim⸗ mer, das durch Kohlen nothdürftig erwärmt war, ſaßen die drei Männer dann bald bei einem Becher feurigen Cyperweins zuſammen, und der Hauswirth, der ganz das lebhafte venetianiſche Naturell ange⸗ nommen hatte, ſetzte ſeinem jungen Gaſte weidlich


