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neue Laufbahn, nachdem die erſte verfehlt war, zu erflehen.
„Hier könnt Ihr treten!“ ſagte der Venetianer ſtolz, auf das dunkle Porphyrtäfelchen zeigend, das in den Marmorboden gefügt iſt, wo einſt der große Hohenſtaufe vor dem Papſte gekniet, ſich unter Ve⸗ nedigs Vermittelung die Losſprechung vom Banne zu erwirken. Der Deutſche, von andern Gedanken beſchäftigt, achtete nicht auf ihn, ſondern ſchritt über die Moſaik des Fußbodens, die nun Wellen gewor⸗ fen vor Alter, ohne doch Stift von Stift zu laſſen, zum Altar, um zu beten. Still folgten ihm die beiden alten Brüder, Andrea, der Goldſchmied und Filippo Diodati aus Brescia, und knieten neben ihn, ihre Andacht zu verrichten. Da konnte es nicht fehlen, daß die Erinnerung in dem jungen Fremden wach wurde, wie er bei ſeiner erſten Anweſenheit in Italien
zu Padua in der Kirche der heiligen Juſtina Weih⸗ waſſer von der Tochter des alten Mannes empfan⸗ gen hatte, der zu ſeiner Verwunderung noch immer im Erxile verweilte; wie dieſer jetzt neben ihm, hatte damals Fivrina an ſeiner Seite gekniet— aus dem unklaren Dämmerſcheine der Vergangenheit trat wunderſchönes Bild in blendendes Licht und rerſchrack faſt, wie er damals vor ihrer Schön


