241 wenn ich nicht mit ſchwindelnden Sinnen in den Abgrund blicken will, den mir ein Blitz erhellt? Sagt mir aufrichtig, hat Euch Frau Wanda alles vertraut?“
Bernhard gedachte an die Weigerung ſeiner Mutter: Nicht dieſen Augenblick! Nicht hier! und er antwortete der Wahrheit gemäß, daß er nichts mehr wiſſe, als was er ihm geſagt habe.
Da legte Schlabrendorff die Hand über die Augen und ſchüttelte ſchweigend den Kopf. Nach einer klei⸗ nen Weile blickte er auf und ſprach:„Verhält es ſich ſo, dann habe ich Eurer Schweſter ein ſchweres Unrecht gethan— obgleich auch ſie gar hart mit mir verfahren iſt.“— Zögernd ſetzte er hinzu:„Iſt ſie vermählt?“
Bernhard verneinte es kurz.— Der Sachſe wollte noch mehr fragen, aber er unterdrückte die Regung gewaltſam, die ihn völlig zu entnerven drohte, faßte ſich und nahm raſch Abſchied.„Unſere Wege trennen ſich, lebt wohl. Was ich geſagt habe, be⸗ richtet. Beſſer, die Eurigen hätten mich nie geſehen, ſegnen können ſie mich nicht, aber ſie ſollen mir auch nicht fluchen— den Ring will ich tragen bis ich ſterbe, das ſagt ihr— Eurer Frau Mutter mein' ich, und nun lebt wohl.“ In ſeinen Worten lag manches, das Bernhard zum Herzen drang, und er 1857. VI. Heimath und Ferne. I. 16


