Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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herrlichem Wuchſe geſehen zu haben. Er kam gemeſ⸗ ſenen, ſtattlichen Schrittes gegangen; als er dem Sitzenden auf geringe Entfernung nahe gekommen, wo er ſein erſt unter dem Laubgehäng anſichtig werden konnte, blieb er plötzlich, gleichſam betroffen, ſtehen und näherte ſich dann raſcher. Bernhard ging ihm, das Pferd hinter ſich führend, entgegen.

Habt Dank, Landsmann! rief er ihm zu, ſich derſelben Anrede bedienend.

Der andere ſah ihm mit einem langen, for⸗ ſchenden Blicke ins Antlitz und ehe er ein Wort ſagte, hatte Bernhard Zeit, auch ſeine Züge aufmerk⸗ ſam zu betrachten. Sie waren ſo ausdrucksvoll in ihrer gereiften männlichen Schönheit, daß, wer ſie einmal geſehen, ſie wohl nimmer vergeſſen konnte. Eine gewiſſe Bewegung machte ſich in ihnen bemerk⸗ lich und nur ein ſo unbefangenes Gemüth als Bernhard's, konnte nicht erkennen, daß dieſe Bewe⸗ gung ſich ſteigerte, je mehr er im Antlitze des Jüng⸗ lings die wunderbare Beſtätigung der erſten, flüch⸗ tig aufblitzenden Idee fand, die ſeinen Fuß einen Moment an die Stelle gebannt hatte. Endlich faßte er ſich, reichte Bernhard die Hand und ſagte lächelnd: Was iſt Euch denn geſchehen? Ich ſah Euch halten wie einen Eber, von einer Meute kläffender Rüden