Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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Fräulein geweſen. Seht nun ſelbſt, wen Ihr vor Euch ſhabt: Euer Pathchen iſt hier, ſucht es Euch aus.

Der Gaſt war etwas außer Faſſung gekommen, er warf nur einen flüchtigen Blick auf das jüngere Kleeblatt, das ſich ſeit ſeiner Ankunft ziemlich ſchweig⸗ ſam verhalten hatte, und ſprach unbedenklich mit ei⸗ ner ſchnellen Handbewegung gegen Barbara:Wenn es denn kein Junker geweſen iſt, dann dieß Fräulein!

Barbara's ſchalkhaftes Lächeln hätte ihm gefal⸗ len, wenn nicht ſeinem Worte ein allgemeiner Aus⸗ bruch der Heiterkeit gefolgt wäre, der ihm nun das Blut ins Antlitz trieb und ſeine ſchwarzen Brauen unwillig zuſammenzog.Verzeiht, Herr von Haug⸗ wit! nahm Frau von Linden ſchnell das Wort. Ihr müßt von unſerer Sitte eine ſchlechte Mei⸗ nung bekommen, da Ihr aus fremden feinern Krei⸗ ſen heimkehrt, aber es war uns allen zu überraſchend, daß Ihr dieß Kind für Eure Pathe hieltet, deren Alter Ihr vorher ziemlich hoch geſchätzt habt.

Kind! wiederholte Haugwitz und nahm Bar⸗ bara dabei ſo ſcharf ins Auge, daß ſie erröthend das

ihrige ſenkte.Für ein Kind kann ich das Fräulein

nicht anſehen, und für das Alter der Damen habe

ich, wie ich leider geſtehen muß, keinen rechten Blick 1857, VI. Heimath und Ferne. I. 2