zende Erinnerung an eine traurige Zeit ihrer Jugend vernehme. Damals war ſie genau in demſelben Alter geweſen, wie das harmloſe, blonde Kind, das der Mutter in dieſem Momente gegenüberſaß.„Gott ſchütze Dein unſchuldiges Haupt vor einem gleichen Looſe!“ dachte ſie, mit treuer Geſinnung auch für dieß fremde Weſen, dem ſie wahrhaft eine Mutter war. Des Sohnes Auge haftete, ohne daß ſie es bemerkte, an dem ihrigen— ob er den Gedanken zu errathen ſuchte, der ihre Seele bewegte und, wie ihr Antlitz ſtets ein treuer Spiegel ihrer Seele war, ſich vielleicht in Blick und Mienen leſen ließ?
„Du ſiehſt mich ſo fragend an, Bärbel,“ wandte ſich der Großvater an ſeine blonde Enkelin.„Weißt Du wirklich gar nichts davon? Warum, Frau Toch⸗ ter, erzählt Ihr es der Bärbel nicht? Ich meine, was Verwandte betrifft, das brauchen ſie unter ein— ander nicht zu verſchweigen, weder Frend noch Leid.“
Frau Wanda wollte antworten, aber ſie ſah durch die offene Hausthüre ihre Tochter im Flur er— ſcheinen, und ſagte nur kurz:„Wir wollen ſchon einmal darüber ſprechen.“ Damit war die Sache abgethan, aber in Barbara's Seele blieb das ſehn⸗ liche Verlangen zurück, von dem Schickſal ihrer Kou⸗ ſine dasjenige zu erfahren, worauf eben angeſpielt


