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worden war— zum erſtenmale in ihrer Gegen⸗ wart. Freilich war ſie erſt ſeit kaum einem Jahre im Hauſe.
„Komm, Chriſtine!“ rief die Mutter, ſich zum Scherze zwingend, der ihr in dieſem Augenblicke ſo fern lag.„Du läßt uns verſchmachten— der Groß⸗ vater wollte Dir ſchon ſeinen Haiducken mit Krumm⸗ ſäbel und Türkenflinte nachſchicken, um Dich todt oder lebendig zu bringen.“
Ein Lächeln erhellte Chriſtina's ruhige Züge, ſie erwiederte den Scherz, an welchen der Großvater gar nicht gedacht hatte und breitete nun flink ein ſchneeweißes Tuch über den Tiſch, worauf die Magd, die ihr folgte, Teller aufſetzte und bald vor dem Großvater die Schüſſel mit geronnener Milch ſtand, welche als beſonderes Labſal allgemein beliebt war. Barbara, als die jüngſte, ſprach ein kurzes Tiſch⸗ gebet, dann theilte die Mutter den köſtlichen Rahm der Milch aus und war noch damit be ſchäftigt, als ihr Sohn, zufällig über den Hof blickend, ſahte „Wir bekommen noch einen Gaſt.“
Alle ſahen auf. Wirklich kam über den Hof ein Reiter gezottelt— anders konnte man die Gang⸗ art ſeines Pferdes nicht nennen, denn es war weder Schritt, noch Trab, ſondern nur ein ſchwacher Ver⸗


