Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

dunkelblauen, ſtrahlenden Auge ſeines eigenen Fami⸗ lienſtammes, das ſich von Geſchlecht zu Geſchlecht ver⸗ erbt und nur bei ſeinem Vater eine Ausnahme ge⸗ macht hatte. Es gab dem Antlitze des Jünglings einen ganz eigenthümlichen, wunderbar feſſelnden Ausdruck: dieß blaue ſeelenvolle Auge, über welchem ſich die feinen, tiefſchwarzen Brauen wölbten, und dazu das ſchwarze Haar, wie ein Spiegel leuchtend und glatt, das ſich nur, wo es endete, zu einer ſchweren Welle umbog. Er ſaß, während die an dern traulich und abwechſelnd mit einander ſpra chen, meiſt in ſich gekehrt, nur von Zeit zu Zeit, wenn ſeine junge Verwandte ihre liebliche Stimme hören ließ, hob ſich unwillkürlich ſein tiefgeſenktes Auge: dieſen Blick ließ er aber nicht gern belauſchen.

Es war nun Zeit, das Abendeſſen zu beſchik⸗ ken: die Sonne verglühte eben im Weſten, vom

Dorfe her klang das Abendgeläut und alles Geräuſch

auf dem Schloßhofe verſtummte wie draußen die Arbeiter auf dem Felde ihr Geſchäft einſtellten, um das Haupt zu entblößen und ein ſtilles Gebet zum Himmel zu ſchicken, neigte ſich auch das Geſinde auf dem Hofe, neigte ſich die Herrſchaft unter der Linde. Als die kurze Andacht vorüberwar, ſtand die Tochter des Hauſes auf und ging, den Tiſch decken zu laſſen,