tigte. Das war keine deutſche Frau, man ſah es auf den erſten Blick. Nicht das rabenſchwarze, noch immer glänzende Haar allein hatte das verrathen, wohl aber das große, lebhafte Auge und der ganze Schnitt des Geſichtes mit ſeinen intereſſanten, auch in ruhiger Seelenſtimmung niemals unbewegten Zügen. Das war eine Polin— wer irgend einmal eine echte und edle Tochter dieſes Volkes geſehen hatte, mußte Frau von Linden dafür erkennen, auch wenn er nicht gewußt hätte, daß ſie den altſarmatiſchen Namen Wanda trug und eine Tarnowska war. Sie mußte einſt bildſchön geweſen ſein; dasſelbe konnte man von ihrer Tochter, die neben dem Vater und Großvater ſaß, nicht ſagen. Hatte ſie auch, wie die Mutter, reiches ſchwarzes Haar und dunkle Augen voll innern Feuers, ſo war ihr ziemlich breitentwik⸗ keltes Geſicht mit ſeinen ſchweren Wangen und dem ſtarken Doppelkinn keineswegs anziehend, mochte es auch nie geweſen ſein, dagegen erinnerte wieder die Art, wie ſie den Kopf trug, der ſchöne Wuchs, die ganze Haltung des Körpers, ja man konnte behaup⸗ ten, jede Bewegung lebhaft an die Mutter. Danach hätte man beide unter Masken verwechſeln können. Dem Sohne dagegen hatte die Natur die volle Geſichtsähnlichkeit der Mutter verliehen, nur mit dem
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