Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

227

ſein Herz ſchon, was ſeiner dort harrte, da es ſo überſelig pochte? Wenn er es ahnte, ſo wußten die Lieben auf dem Altenſteig nicht, weshalb ſie der Kaiſer auf einen beſtimm⸗ ten Tag und eine beſtimmte Stunde von ihrer ſtillen Feſte auf das Schloß zu Linz geladen hatte. Seit der Kaiſer ſeine Hofſtatt nach Linz verlegt und das war ſchon eine ge⸗ raume Zeit her, da nun eine ſchwer erkaufte Waffenruhe ihm das geſtattete und er auch die Reichsangelegenheiten von hier aus wieder ordnen konnte, war der treue Hager von Altenſteig gar oft zur Aufwartung bei ſeinem Herrn geweſen, der ihn über manche Dinge um Rath fragte. Auch Frau Eliſabeth, welche den Kaiſer an ſeine glückliche Jugend und den unerſetzlichen Verluſt ſeiner theuren Ge⸗ mahlin erinnerte, hatte den Hof, den ſie lange nicht mehr ge⸗ ſehen, zuweilen wieder beſuchen müſſen und Hedwig die Mut⸗ ter dann immer begleitet. Doch war ninmer die Rede von dem ehemaligen Liebling des Kaiſers geweſen, noch minder hatte Friedrich der Dritte ſeinen geſcheiterten Plan für das Kind ſeines alten Freundes berührt, er hatte kaum von Hedwig's Verhältniß zu ſeiner Tochter, der nunmehrigen Herzogin von Baiern geſprochen, und doch war er gegen Alle ſo freundlich und liebevoll. Rerum irreparabilium felix oblivio, dieſen ſeinen Wahlſpruch:Glücklich das Vergeſſen unwiederbringlicher Dinge! hatte er auch dem treuen Hager geſagt, als dieſer einmal von alter Zeit mit ihm zu ſprechen angefangen hatte. In letzter Zeit war

15*