15
Herzen, daß ich die verlorne oder, wie Ihr glaubt, ver⸗ wirkte Gnade wieder erlange—“
„Iſt das Euer aufrichtiger Wunſch,“ entgegnete die Erzherzogin,„warum finde ich Euch hier in friedlichem Spiel auf der Reigerbeize, warum zieht Ihr nicht an der Spitze Eurer Vaſallen mit tauſend Speeren aus Baierland dem Kaiſer zu, wie Ihr als Fürſt des Reiches verpflichtet ſeid, wenn der Feind ſchon an die Thore von Wien pocht?“
„Ahnt Ihr nicht,“ ſprach der Herzog, ſich tief neigend, „warum Ihr mich hier findet?“
„Ich weiß, daß nicht hier Euer Platz iſt, ſondern an der Seite Eures Kaiſers im Felde!“ verſetzte Kunigunde, diesmal ſeinen Blick nicht meidend, ſondern ihr ſchönes geiſtvolles Auge mit ſeinem leuchtenden Strahl auf ihn gerichtet.
„Gewiß habt Ihr Recht,— aber wenn ich Eurem Gebot folge, wenn ich des Kaiſers Gnade mir gewinne und mit einem Zeichen derſelben zurückkehre, darf ich dann hoffen, daß Ihr—“
„O, nehmt doch Eurem edeln Thun nicht ſeinen Werth!“ unterbrach ihn die Erzherzogin.„Was mein Vater beſchließen wird, das erwarte ich in Demuth und Gehorſam.“ Sie bemerkte mit erleichtertem Herzen, daß ein paar Reiter, welcheeinen andern Weg genommen hatten, ihnen


