welche ihm nochmals die Gaſſen genannt hatte, durch welche er am Nächſten zum Steinfelde vor'm Thore ge⸗ langen würde. Er ſchritt raſch ſeines Weges. Je weiter er ſich von dem Hauſe ſeiner Großeltern entfernte, deſto mehr ſchien der Bann ſich zu löſen, welchen der harte Meiſter auf ihn geübt hatte. Er wollte zwar, wie er ver⸗ ſprochen hatte, noch einmal zurück kehren, aber nur auf einen Tag, dann gedachte er Wien zu verlaſſen. Viel hatte er ſchon über ſich gewonnen, aber ſo viel Seelenſtärke beſaß er noch nicht, jede Begegnung, die ihm der Zufall täglich bereiten konnte, mit Gleichmuth zu ertragen. Er ſollte das erfahren, noch ehe er das Schottenkloſter erreichte. Denn hart am Thor ſtieß er auf einen Mann, dem er nicht aus⸗ weichen konnte: Dietrich von Wolffenegg.
„Lienhard! Gott's Strahl! Da find' ich Dich end⸗
lich!“ rief er und faßte gleich ſeinen Arm, um ihn in den
ſeinigen zu ſchlingen. Lienhard aber löſte ſich mit entſchie⸗ denem Widerſtande los.
„Habt Ihr vom Kaiſer noch keine Vorladung er⸗ halten?“ fragte er, im Antlitz hoch erglüht, aber mit einem ſo ſtolzen Tone, als er ihn nur jemals angenommen hatte.
„Freilich, freilich! Du biſt ein Held, Lienhard— verdienſt den Ritterſchlag für Deine That! Wär ich ſelbſt Ritter, wollt' ich Dir ihn gleich auf der Stelle geben!


